Neue und aktualisierte Dokumente der ECA Analytical Quality Control Group

    

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Die ECA Analytical Quality Control Group (AQCG) erarbeitet praxisnahe Leitfäden für die pharmazeutische Qualitätskontrolle und Analytik. Ihr aktuelles Arbeitsprogramm umfasst neue Veröffentlichungen, die Auswertung von Umfragen sowie die Überarbeitung bestehender Leitfäden im Hinblick auf regulatorische Entwicklungen und Rückmeldungen aus der analytischen Fachwelt.

Die Analytical Quality Control Group

Die AQCG bietet eine europaweite Netzwerkplattform für analytisch tätige Chemikerinnen und Chemiker sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in Qualitätskontroll- sowie Forschungs- und Entwicklungslaboren arbeiten oder diese leiten. Sie fördert den Austausch über aktuelle regulatorische Anforderungen in Europa und den USA, greift technische Herausforderungen und Schulungsbedarf auf und unterstützt harmonisierte Vorgehensweisen durch Diskussionspapiere und Leitfäden.

Ein weiteres Ziel besteht darin, die Kommunikation zwischen Industrie, zuständigen Behörden und Arzneibüchern zu unterstützen.

Zu den Interessenschwerpunkten gehören Qualitätsmanagementsysteme und Labor-Compliance, Datenintegrität und Datensicherheit, Datenqualitätsmanagement und Trendanalyse, Abweichungsmanagement und Change Control, Probenahme und Probenmanagement, die Qualifizierung und Validierung von Laborgeräten und -systemen sowie Lebenszyklusansätze für analytische Verfahren.

Derzeit zum Download verfügbare Dokumente

Die AQCG stellt ihre aktuellen Leitfäden im Mitgliederbereich zur Verfügung. Zusammen decken diese Dokumente die wesentlichen Phasen des Lebenszyklus der analytischen Qualitätskontrolle ab - von der Probenahme und Datenerzeugung über Laboruntersuchungen, Data Governance, Gerätequalifizierung und Systemvalidierung bis hin zum Lebenszyklusmanagement analytischer Verfahren.

Sampling and Sample Management (Version 1.0, April 2025)

Dieser Leitfaden befasst sich mit dem Beginn des analytischen Prozesses: der Probe. Die Probenahme ist per se eine fehleranfällige Tätigkeit, und die Zuverlässigkeit des endgültigen Analysenergebnisses hängt nicht nur von der Analysenmethode ab, sondern auch von der Qualität und Repräsentativität der Probe. Der Leitfaden erläutert die regulatorischen Erwartungen an eine repräsentative Probenahme und behandelt Probenahmepläne, Probenahmeverfahren, Probenidentifizierung, die Sicherung der Probenintegrität, Lagerung, Transport, die lückenlose Nachverfolgbarkeit und Dokumentation des Probenwegs sowie Probenahmeaufzeichnungen. Er führt die einschlägigen Anforderungen aus US cGMP, EU-GMP, USP, WHO, FDA und weiteren Quellen zusammen.

Eine zentrale Botschaft lautet: Selbst eine noch so gute Analysenmethode kann keine belastbare Qualitätsentscheidung stützen, wenn die Probe nicht repräsentativ, nicht rückverfolgbar und nicht vor Kontamination, Verwechslung oder qualitätsmindernden Veränderungen geschützt ist.

Modernes Dokumentationsmanagement (D 8)

Seminarempfehlung

Heidelberg3./4. November 2026

Modernes Dokumentationsmanagement (D 8)

Guide for an Integrated Lifecycle Approach to Analytical Instrument Qualification and System Validation (Version 1.0, November 2023)

Dieser Leitfaden stellt einen risikobasierten Lebenszyklusansatz für analytische Apparaturen, Geräte und computergestützte Systeme vor. Er verknüpft die Festlegung des Verwendungszwecks und die Risikobewertung mit Spezifikation und Auswahl, Qualifizierung und Validierung, fortlaufender Leistungsüberprüfung, Datenintegrität, Change Control, periodischer Überprüfung, Datenmigration, Archivierung und Außerbetriebnahme.

Der Leitfaden unterscheidet zwischen Apparaturen bzw. analytischen Systemen der Gruppen A, B und C. Zu den praktischen Beispielen, die in einem eigenen Teil vorgestellt werden, gehören Waagen, pH-Meter, UV/VIS-Spektrometer, Bioassay-Software und Chromatographie-Datensysteme.

Der Lebenszyklusansatz soll sicherstellen, dass Qualifizierungs- und Validierungsaktivitäten während der gesamten Betriebsdauer eines Geräts oder Systems mit dessen tatsächlichem Verwendungszweck und Risiko verknüpft bleiben.

GMP, GCP and GDP Data Governance and Data Integrity (Version 3, Dezember 2022)

Dieser gemeinsam von der AQCG und der ECA IT Compliance Group entwickelte Leitfaden betrachtet Datenintegrität in einem umfassenden Sinne. Er behandelt die Unternehmenskultur und die Verantwortlichkeiten, die zum Schutz von Daten erforderlich sind, ebenso wie Richtlinien, Verfahren, Risikomanagement, Schulung, Data Ownership, Data Stewardship, Zugriffskontrollen, Validierung und die Überprüfung von Audit Trails.

Die laborbezogenen Abschnitte behandeln vollständige Daten und Rohdaten, Laboraufzeichnungen, Blankoformulare, Hybridsysteme, Tabellenkalkulationen und die chromatographische Integration. Der Leitfaden macht deutlich, dass verlässliche analytische Daten nicht allein von geeigneten Geräten und validierten Methoden abhängen. Sie erfordern zudem eine angemessene Governance des gesamten Datenlebenszyklus - von der Datenerzeugung und -prüfung bis hin zu Aufbewahrung und Nutzung.

Out of Specification (OOS) Results (Version 2.1, August 2013)

Der Leitfaden zu OOS-Ergebnissen befasst sich mit Laborergebnissen, die außerhalb einer genehmigten Spezifikation oder eines Akzeptanzkriteriums liegen. Er beschreibt eine strukturierte Untersuchung, die mit der initialen Laborbewertung beginnt. Daran schließen sich eine formale Überprüfung der analytischen Aufzeichnungen und, falls erforderlich, eine umfassende Laboruntersuchung an.

Behandelt werden unter anderem Fehler bei der Systemeignung, offensichtliche Laborfehler, berichtspflichtige Werte (Reportable Values), Mittelwertbildung, Wiederholungstestungen, erneute Probenahmen und Ausreißertests. Ein zentraler Grundsatz lautet, dass das ursprüngliche OOS-Ergebnis Bestandteil des vollständigen Datensatzes bleibt. Zusätzliche Prüfungen müssen wissenschaftlich begründet sein und dürfen nicht dazu dienen, lediglich ein konformes Ergebnis zu erhalten.

Ein OOS-Ergebnis belegt nicht automatisch, dass ein Produkt oder ein Prozess versagt hat. Es kann durch einen Laborfehler, ein Problem mit der Probe oder dem analytischen System oder durch ein tatsächliches Produkt- oder Herstellungsversagen verursacht worden sein. Ziel der Untersuchung ist es daher, den Sachverhalt kontrolliert, nachvollziehbar und vollständig dokumentiert zu klären.

Out of Expectation (OOE) and Out of Trend (OOT) Results (Version 1.2, Juli 2023)

Dieser Leitfaden ergänzt das OOS-Verfahren um unerwartete Werte und Trends, die auch ohne formale Überschreitung einer Spezifikationsgrenze auftreten können. Ein OOE-Ergebnis ist eine unerwartete Beobachtung in Daten, für die keine bestimmte Veränderungsrichtung erwartet wird. Beispiele sind ein ungewöhnliches Ergebnis, eine Verschiebung der Lage von Ergebnissen oder eine übermäßige Streuung in analytischen Routinedaten, die statistisch beherrscht sein sollten.

Ein OOT-Ergebnis beschreibt ein unerwartetes Muster in einer zeitbezogenen Datenreihe. Dazu kann beispielsweise eine Drift in Stabilitätsdaten gehören, die nicht dem erwarteten Verhalten des Produkts oder des analytischen Verfahrens entspricht. OOE- und OOT-Signale können somit frühzeitig auf Veränderungen hinweisen, bevor eine formale Spezifikationsgrenze überschritten wird.

Der Leitfaden behandelt Regelkarten, statistische Prozesslenkung (SPC), CUSUM- und EWMA-Verfahren, Karten für diskrete Daten sowie Ansätze zur Stabilitätstrendanalyse auf Grundlage einer linearen Regression und einer Random-Coefficients-Regression. Außerdem werden Prozessfähigkeitsindizes kurz erläutert.

Setting Specifications and Acceptance Criteria

Seminarempfehlung

Barcelona, Spain3/4 November 2026

Setting Specifications and Acceptance Criteria

Analytical Procedure Lifecycle Management (APLM) (Version 1.0, Juli 2018)

Dieser Leitfaden stellt einen lebenszyklusorientierten Ansatz für die Entwicklung, Validierung und laufende Betreuung analytischer Verfahren vor. Er behandelt den Zusammenhang zwischen dem Analytical Target Profile, der Methodenentwicklung, der Risikobewertung, der Robustheit, der Validierung und der fortlaufenden Überprüfung der Verfahrensleistung. Darüber hinaus berücksichtigt das Dokument Wissensmanagement, Change Control und den Transfer analytischer Verfahren über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.

Weitere Dokumente und ergänzende Veröffentlichungen

Neben den genannten Leitfäden enthält der Downloadbereich der AQCG die Ergebnisse der OOS-Umfrage 2026, einen Bericht über den Einsatz der statistischen Prozesslenkung in der pharmazeutischen Industrie sowie Vergleiche von ICH Q2 und ICH Q14. Darüber hinaus stehen eine Aufzeichnung des kostenfreien Webinars zum Leitfaden Sampling and Sample Management sowie eine Aufzeichnung der Diskussion zur kürzlich durchgeführten OOS-Umfrage zur Verfügung.

Ergebnisse der AQCG-OOS-Umfrage 2026

Um die aktuelle Praxis in der Industrie zu erfassen und eine fundierte Grundlage für die Überarbeitung des Leitfadens zu schaffen, führte die AQCG zwischen Februar und April 2026 eine branchenweite Umfrage durch. Insgesamt gingen 169 Antworten ein. Die Ergebnisse zeigen, dass die grundlegenden Prinzipien in der Industrie weitgehend standardisiert sind. So gaben 91 % der Befragten an, dass ihre Verfahren eindeutig definieren, was ein OOS-Ergebnis darstellt. 89 % unterscheiden klar zwischen OOS-, OOT- und ungültigen Ergebnissen. Auch das Vier-Augen-Prinzip (Second-Person Review) ist in der Praxis weit verbreitet. Gleichzeitig zeigten die Antworten einen deutlichen Bedarf an praxisnäheren Empfehlungen zu Hypothesentests und zur Ursachenanalyse.

Die Teilnehmenden wünschten sich Entscheidungsbäume, praktische Beispiele und harmonisierte Vorgehensweisen, insbesondere für den Übergang zwischen den einzelnen Untersuchungsphasen, die Bestätigung vermuteter Ursachen und den Umgang mit Untersuchungen, deren Ursache nicht abschließend geklärt werden kann.

Die Umfrage ergab außerdem, dass ein Teil der Befragten die FDA-Guidance als stark auf die Analytik kleiner Moleküle ausgerichtet wahrnimmt. Gewünscht wurden daher spezifischere Hinweise für Biologicals, nicht-chromatographische Methoden und Auftragslabore. Diese Erkenntnisse fließen unmittelbar in die Überarbeitung des AQCG-OOS-Leitfadens ein.

Ergänzend können Leserinnen und Leser die Leitfäden der ECA Pharmaceutical Microbiology Working Group heranziehen. Diese Dokumente behandeln die spezifischen Anforderungen und Herausforderungen der pharmazeutischen Mikrobiologie, einschließlich des Umgangs mit Out-of-Limit-Ergebnissen (OOL) sowie mit Überschreitungen von Warn- und Aktionsgrenzen im Umgebungsmonitoring.

Das Überarbeitungsprogramm und die Rolle des Feedbacks der Mitglieder

Die Leitfäden zu OOS, OOE/OOT und APLM befinden sich derzeit in Überarbeitung. Gemäß dem aktuellen Arbeitsplan der Gruppe soll die Aktualisierung des OOS-Dokuments zuerst abgeschlossen werden. Sie wird die Revision der FDA-OOS-Guidance aus dem Jahr 2022 berücksichtigen (Investigating Out-of-Specification (OOS) Test Results for Pharmaceutical Production, Level 2 Revision, Guidance for Industry, Mai 2022).

Das überarbeitete AQCG-Dokument wird Struktur und Terminologie aktualisieren, den Umgang mit berichtspflichtigen Werten und Mittelwertbildung klarstellen und den Untersuchungsprozess über Phase Ia, Phase Ib und Phase II weiterentwickeln. Ebenso werden Hypothesentests, die Bestätigung der Grundursache, Wiederholungstestung, Ausreißertests und praktische Untersuchungsbeispiele stärker herausgearbeitet. Die OOS-Umfrage 2026 fließt in diese Aktualisierung ein.

Auch das OOE/OOT-Dokument befindet sich in Überarbeitung. Die neue Version soll die Behandlung normalverteilter analytischer Daten erweitern und Shewhart-, X-bar-, Spannweiten- und Standardabweichungskarten, CUSUM, EWMA, Karten für diskrete Daten, Prozessfähigkeit sowie Stabilitätstrendgrenzen auf Basis linearer Regression und Random-Coefficients-Regression zusammenführen.

Der APLM-Leitfaden wird ebenfalls aktualisiert. Die Überarbeitung wird ICH Q2(R2), ICH Q14 und die laufende Entwicklung von USP <1221> berücksichtigen. Ziel ist es, Analytical Target Profile, risikobasierte Entwicklung, Validierung, Robustheit und die fortlaufende Überprüfung der Verfahrensleistung in einem kohärenten Lebenszyklusansatz zu verbinden.

PharmaLab 2026: Vom Leitfaden zur Diskussion

Die AQCG bringt diese Themen auch auf die PharmaLab 2026, die vom 23. bis 25. November 2026 am neuen Veranstaltungsort in Darmstadt in der Nähe des Frankfurter Flughafens stattfindet (https://www.pharmalab-congress.com). Der Kongress bietet mehrere parallele Konferenzen, Posterpräsentationen und drei Pre-Conference-Workshops. In diesem Jahr richtet die ECA Analytical Quality Control Group einen der Pre-Conference-Workshops sowie einen eigenen eintägigen Konferenztrack aus.

Data Quality Management of Aberrant Results - Handling Out of Specification (OOS) and Out of Trend (OOT) Results
Der Pre-Conference-Workshop am 23. November soll die Fähigkeit der Teilnehmenden stärken, die Datenqualität zu steuern und abweichende Ergebnisse in pharmazeutischen Laboren zu untersuchen. Er vermittelt ein strukturiertes Vorgehen im Umgang mit OOS- und OOT-Ergebnissen, erläutert die wesentlichen regulatorischen Erwartungen und Guidance-Anforderungen und zeigt, wie sich diese in praktische Laborverfahren übersetzen lassen.

Darüber hinaus wenden die Teilnehmenden Werkzeuge der Trendanalyse und statistische Regeln an, um OOT-Signale in einer interaktiven Excel-basierten Übung zu bewerten; dabei werden auch typische Fallstricke und Fehlinterpretationen behandelt. Der Workshop geht zudem auf spezifische Herausforderungen bei der Analytik kleiner Moleküle und von Biopharmazeutika ein.

Analytical Procedure Lifecycle Management (APLM)
Der eintägige Track am 24. November vermittelt einen lebenszyklusorientierten und risikobasierten Ansatz für die Entwicklung, Validierung und Pflege analytischer Verfahren. Dabei werden alle Phasen betrachtet, von der frühen Methodenentwicklung über die Zulassung bis hin zum Änderungsmanagement nach der Zulassung. Im Mittelpunkt steht die praktische Anwendung aktueller USP-Entwicklungen und ausgewählter Fallbeispiele. Behandelt werden unter anderem Analytical Target Profiles, die Risikobewertung, die Method Operable Design Region, Validierungsstrategien, Präzision und Replikation, Plattformmethoden sowie die kontinuierliche Überprüfung der Verfahrensleistung.

Der Track geht außerdem auf die Anforderungen aus ICH Q2(R2), ICH Q14 und USP <1221> ein. Die Teilnehmenden erhalten praxisnahe Orientierung, um einen zweckmäßigen (fit-for-purpose) Validierungsumfang festzulegen, die Robustheit und Unabhängigkeit analytischer Verfahren sicherzustellen und Änderungen inspektions- sowie dossiergerecht zu steuern.

Download der Dokumente
Alle Teilnehmenden der PharmaLab 2026 erhalten Zugang zu den relevanten AQCG-Dokumenten zum Download. Unabhängig von einer Teilnahme an der PharmaLab 2026 können interessierte Fachleute diese Dokumente auch kostenfrei im Mitgliederbereich der AQCG-Website abrufen.

Weitere Informationen finden Sie unter https://analytical.gmp-compliance.org, wo interessierte Fachleute auch eine kostenfreie Mitgliedschaft beantragen können.

Über den Autor:
Dr. Markus Funk
... ist seit Oktober 2019 bei Concept Heidelberg als Fachbereichsleiter tätig und dort für die Themen GDP und Analytik zuständig. Zudem ist er Administration Manager der ECA Analytical Quality Control Group.




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